Handbuch der Italien-Philatelie

Gabriele D’Annunzio

Italien - Land und Leute

D’Annunzio auf einer Briefmarke von Fiume.D’Annunzio auf einer Briefmarke von Fiume.

Am 12. September 1920 verausgabte Fiume eine Markenserie mit dem Portrait D’Annunzios. Im Februar 1921 wurden diese Marken mit dem Aufdruck "Governo Provvisorio" überdruckt.

Text: Stephan Jürgens, AIJP

Die Briefmarkenabbildungen dieses Artikels sind der Webseite www.ibolli.it entnommen.

Gabriele D’Annunzio (* 12. März 1863 in Pescara; + 1. März 1938 in Gardone Riviera) war ein italienischer Schriftsteller und Dichter des Fin de Siècle und spätromantischer Vertreter des Symbolismus. Er gilt als ein Ideengeber für den italienischen Faschismus und als einer der Mentoren Benito Mussolinis, ohne allerdings jemals bekennender Faschist oder Mitglied der Faschistischen Partei gewesen zu sein.

1924 wurde D’Annunzio geadelt und erhielt den Titel Principe di Montenevoso. Nach ihm ist die Universität von Chieti-Pescara sowie der Flughafen von Brescia benannt.

Leben

Gabriele D’Annunzio war der Sohn eines reichen Landbesitzers und Bürgermeisters. Er studierte in Florenz und an der Universität La Sapienza in Rom. Als 16-jähriger Gymnasiast debütierte er als Lyriker mit Primo vere, das er auf eigene Kosten drucken ließ und das sich stark an die Dichtung Giosuè Carduccis anlehnt. 1881 ließ sich D’Annunzio in Rom nieder, wo er bis 1889 als Journalist für die Zeitung Tribuna arbeitete und schnell Zugang zur aristokratischen Gesellschaft fand. Ein Jahr später gelangte er mit dem Gedichtband Canto novo zu erster Bekanntheit. Die darin enthaltenen Gedichte preisen die Freuden des Lebens und sind bestimmt vom Versuch einer neuen, elitären Sprachgebung. 1883 heiratete D’Annunzio die Gräfin Maria Hardouin di Gallese. In den 1890er Jahren wandte er sich dem Schreiben von Romanen zu. Trionfo della morte (Triumph des Todes, 1894) ist eine Beschreibung des Lebens in den Abruzzen.

Nach 1898 galt D’Annunzios Begeisterung dem Theater. Großen Einfluss auf sein Werk hatte die Liebesbeziehung mit der italienischen Schauspielerin Eleonora Duse, die von 1897 bis 1902 andauerte. Er widmete der Duse mehrere Stücke, einschließlich der Tragödien La Gioconda (1898) und Francesca da Rimini (1901). Die Handlung des Romans Il fuoco (Das Feuer, 1900) ließ die italienische Leserschaft enge Parallelen zu der Beziehung zwischen D’Annunzios und der Duse erkennen. Die Tragödie La figlia di Jorio (1904), die allgemein als sein poetischstes und leidenschaftlichstes Drama gilt, spielt mit Elementen des bäuerlichen Lebens in den Abruzzen.

Zwischen 1909 und 1912 arbeitete er zusammen mit dem Komponisten Ildebrando Pizzetti für die Oper Fedra nach dem antiken Phaidra-Stoff. Bereits 1910 war er wegen hoher Schulden, bedingt durch seinen luxuriösen Lebensstil, ins "freiwillige Exil" nach Frankreich geflohen, um seinen Gläubigern zu entkommen. Während dieser Zeit schrieb er mehrere Werke in französischer Sprache, deren bekanntestes Le Martyre de Saint Sébastien (Das Martyrium des heiligen Sebastian, 1911) ist, ein lyrisch-dramatischer Text, den Claude Debussy vertonte.

Bildnis D’Annunzios auf einem Block zum Hundertjährigen Jubiläum des ersten Flug (Gebr. Wright) im Jahr 1903.

Bildnis D’Annunzios auf einem Block zum Hundertjährigen Jubiläum des ersten Flug (Gebr. Wright) im Jahr 1903. Die PosteItaliane ging anscheinend im Jahr 2003 davon aus, dass D’Annunzio und sein Beitrag zur italienischen Luftfahrtgeschichte soweit Allgemeingut ist, dass man seinen Namen nicht auf dem Block erwähnte.

Zugleich engagierte er sich oft politisch. 1897 wurde D’Annunzio in einem Regionalparlament Abgeordneter der Konservativen, nahm es mit den politischen Ausrichtungen aber nicht zu genau: So gab er 1900 den radikalen Linken seine Stimme. 1915 befürwortete er den Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg, den er auch als Redner publikumswirksam forderte. Der Krieg und seine Heroisierung hatten in Leben und Werk D’Annunzios eine zentrale Rolle gespielt. Er selbst war begeisterter Soldat im Ersten Weltkrieg. Allerdings bewegten sich auch hier seine Hoffnungen häufig weit jenseits der erreichbaren Realität. Geradezu legendär geworden ist D’Annunzios Propagandaflug über Wien, der Hauptstadt des Kriegsgegners Österreich am 9. August 1918, kurz vor dem Ende des Krieges. Eine Staffel von zehn einsitzigen und einem zweisitzigen Ansaldo S.V.A.-Flugzeugen (in letzterem saß D’Annunzio) brach zu diesem Flug auf, drei davon mussten vor Grenzübertritt notlanden, ein vierter Pilot in Österreich, wo er verhaftet wurde, die restlichen sieben erreichten ihr Ziel. Vom Flugzeug aus ließen sie keine Bomben, sondern Tausende von Flugblättern in zwei Ausführungen auf Wien herabflattern, die mit den Farben der italienischen Fahne bedruckt waren.

Nach Kriegsende führte er im September 1919 eine Gruppe Freischärler, die so genannten Arditi, sowie Teile der regulären italienischen Armee bei der Besetzung der Adria-Stadt Fiume an, das Waffenstillstandsabkommen unterlaufend. Damit reagierten die Besatzer auf die Pariser Friedensverhandlungen, nach denen Italien die zuvor zu Österreich-Ungarn gehörende Stadt möglicherweise nicht hätte annektieren dürfen. Zuvor machte das von D’Annunzio geprägte Wort von der vittoria mutilata, vom "Verstümmelten Sieg" in Italien die Runde. Die Herrschaft in Fiume, mit D’Annunzio im Mittelpunkt, nahm dabei wesentliche Elemente des Faschismus vorweg: die Fixierung auf einen Führer, die Massenmobilisierung sowie viele andere Elemente, die später bei den italienischen Faschisten ebenso wie bei den deutschen Nationalsozialisten wieder auftauchen werden. In Fiume boten diese Elemente, noch nicht eingebettet in ein ideologisiertes Weltbild, den Rahmen für eine anarchische Herrschaft.

Nachdem D’Annunzio sich nach militärischer Intervention durch die italienische Regierung im Dezember 1920 gezwungen sah, die Stadt zu verlassen, eignete er sich eine beschlagnahmte Villa bei Gardone Riviera am Gardasee an. D’Annunzio betrachtete sich nach der Zeit in Fiume offenbar zunächst als politischer Gegenspieler Benito Mussolinis und wurde von diesem auch als solcher aufgefasst. 1922 bemühte er sich darum, vom König den Auftrag zur Bildung einer Regierung zu erhalten. Mussolini kam ihm aber mit seinem Marsch auf Rom zuvor.

Fortan zog sich D’Annunzio in seine Villa am Gardasee zurück, die er später Il Vittoriale degli italiani taufte und dem italienischen Volk vermachte. 1924 wurde er auf Vorschlag der faschistischen Regierung durch König Viktor Emanuel III. geadelt und erhielt den in der Primogenitur erblichen Titel eines Principe di Montenevoso, zudem veröffentlichte ein staatliches Institut das literarische Gesamtwerk des Dichters.

D’Annunzio ließ sich von der faschistischen Regierung bis zu seinem Lebensende seinen weiterhin aufwändigen Lebensstil finanzieren. Er reduzierte seine politischen Aktivitäten, ging nur in nebensächlichen Fragen auf Konfrontation zu Mussolini und den Faschisten und lobte außerdem die territorialen Expansionsbestrebungen der Faschisten in Afrika, die seinen nationalistischen Vorstellungen des Mittelmeeres als italienischem "Mare nostrum" entsprachen.

Stilleben mit Werken D’Annunzios auf einer italienischen Briefmarke im Jahr 1996.

Stilleben mit Werken D’Annunzios auf einer italienischen Briefmarke im Jahr 1996.

D’Annunzio starb am 1. März 1938 in seiner Villa bei Gardone Riviera, die bereits vorher durch die Regierung zur nationalen Gedenkstätte erklärt worden war. Bestattet wurde D’Annunzio in einer repräsentativ ausgebauten Grabstätte aus weißem Marmor auf dem Gelände seiner Villa.

D’Annunzio auf einer italienischen Briefmarke im Jahr 1963. D’Annunzio auf einer italienischen Briefmarke im Jahr 2013.

Sowohl zum 100. als auch zum 150. Geburtstag veröffentlichte PosteItaliane jeweils eine Briefmarke zu Ehren D’Annunzios

Zur weiteren Lektüre / Quellen

John F. Gilbert: Gabriele d'Annunzio & aerial propaganda and the post war years. Fil-Italia Handbooks, number Twelve. Published by the Italy and Colonies Studie Circle, Teddington, July 2016

de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_D’Annunzio