Handbuch der Italien-Philatelie

Pisa-Provisorium

Lexikon

Anders als beim Vineta-Provisorium handelt es sich beim Pisa-Provisorium um eine postgeschichtliche Rarität, bei der alle Beteiligten sich an die Vorschriften der Reichspost gehalten haben.

Dem Truppentransporter "Pisa" - sicherlich nach der italienischen Stadt benannt, der 1902 Truppen als Ablösung nach China brachte, waren schon auf der Hinfahrt die 5-Pfennig-Marken ausgegangen. Und in China konnten die Bestände nicht aufgefüllt werden.

Der Zahlmeister der Pisa befolgte genau die für solche Fälle erlassene Dienstvorschrift der Marine-Schiffspost, etwas was der Zahlmeister der Vineta im Jahr 1901 nicht getan hatte. Er versah die von der Mannschaft aufgelieferten und eigentlich mit 5 Pfg freizumachenden Postkarten links unten handschriftlich mit einer kleinen 5 und setzte den Stempel "KAISERL. DEUTSCHE MARINE-SCHIFFSPOST Nr. 2". Die Nachfrankierung mit Reichspostmarken nahm nach Eintreffen der Sammelsendung das Hof-Postamt vor, die Abrechnung mit dem Zahlmeister erfolgte nach der Rückkehr des Schiffes. Das Pisa-Provisorium ist im Gegensatz zum Vineta-Provisorium philatelistisch als absolut einwandfrei anzusehen und als ganze Karte entsprechend gesucht.

Quelle (u.a.): Ulrich Häger: Großes Lexikon der Philatelie, Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh - Berlin - München - Wien 1973