Großbritannien

Ausriß aus H. Schwaneberger Internationales illustrirtes Briefmarken-Sammelbuch, 11. Auflage

Großbritannien

One Penny Black

1840 One Penny Black

Sammlung Stephan Jürgens

Eckbuchstaben, die bei den Marken Großbritanniens bis zu den Ausgaben von 1884 in den beiden unteren bzw. allen Vier Ecken zu findenden Buchstaben. Die brit. Post war sehr ängstlich in bezug auf mögliche Markenfälschungen u. a. Manipulationen; so wurde z. B. auch befürchtet, daß bereits benutzte Marken, wenn diese nur teilweise vom Stempel getroffen waren, abgelöst, auseinandergeschnitten und auf einem Brief zu einer »neuen Marke« zusammengesetzt werden könnten. Um dies und die Fälschung ganzer Bogen zu verhindern, d. h. aufmerksamen Postangehörigen einen Hinweis auf vollzogene Täuschungen zu geben, wurden schon die ersten beiden aufklebbaren Postwertzeichen der Welt (Großbritannien Mi 1 und 2) unten links und rechts mit Eckbuchstaben versehen, und zwar so, daß jede Marke in einem Schalterbogen (240 Stück in 20 waagerechten Reihen zu je 12 Marken) eine andere Buchstabenkombination erhielt. Begonnen wurde bei der ersten Bogenmarke links oben mit den Buchstaben A—A, die nächste war durch A—B und die letzte der ersten Reihe durch A—L gekennzeichnet; die zweite waagerechte Reihe begann mit BLA und endete mit B—L usw. Die erste Marke der letzten Bogenreihe hatte demnach die Kombination T—A, die letzte (240.) Marke T—L. In dieser Form wurden die Marken Mi 1—4 und 8—11 verausgabt.
1858 wurden die Sterne in den beiden oberen Ecken gleichfalls durch Buchstaben ersetzt, die so verteilt waren, daß in den Diagonalen gesehen auf jeder Marke die gleichen Buchstaben erschienen. Bei Mi 36 z. B. , die in Schalterbogen zu 480 Stück (20 Reihen zu je 24 Marken) gedruckt wurde, mußten die Buchstaben bis X—A und A—X in der ersten bzw. X—T und T—X in der untersten Reihe stehen. Auch der Bogen von Mi 40 sah anders aus, da der Bogen dieser Marke aus nur 16 Reihen zu je 12 Stück bestand, weshalb hier die Buchstabenkombination nur bis A—P und P—A bzw. L—P und P—L läuft. Bei den großformatigen Höchstwerten zu 10 sh und £ 1 ist die Verteilung wieder anders gewesen.
Die Eckbuchstaben sind das wichtigste Hilfsmittel des Spezialsammlers zur Bogenrekonstruktion, wobei auf vorkommende versch. Plattennummern im allg. keine Rücksicht genommen wird, da das die Rekonstruktion sehr erschweren oder verteuern würde. Bei den von der Firma De La Rue gedruckten Marken kommen an best. Stelle des Schalterbogens überdimensionale Marken vor. An Hand der Eckbuchstaben kann der Sammler ohne weiteres feststellen, ob aus ästhetischen o. a. Gründen der einseitig links oder rechts breite Rand abgeschnitten und nachgezähnt wurde, also eine Fälschung vorliegt.
in: Ullrich Häger: Großes Lexikon der Philatelie

Großbritannien und Nordirland.
Geschichte.  Seit dem 12. Jahrhundert bildeten sich in England Boteneinrichtungen, die neben den dienstlichen Nachrichten später auch nichtamtliche beförderten. Der Beginn eines geordneten Postwesens fällt jedoch in die Regierungszeit Heinrichs VIII. (1509-1547), in der Sir Brian Tuke um 1516 zum ersten »Master of the Messengers, Runners or Posts «— Oberster Postmeister — des Landes ernannt wurde. Obwohl die Post schon damals neben ihrer Hauptaufgabe, den Reise- und Ver-sendungsverkehr des Königs zu unterhalten, dem Privatpostversand diente, war sie noch weit von einer Monopolstellung entfernt. Dies zeigte sich besonders zu Anfang der Regierung der Königin Elisabeth (1558— 1603), als häufig Streitigkeiten mit den in London wohnenden fremden Kaufleuten wegen des von ihnen durch einen eigenen Postmeister besorgten Postverkehrs mit dem Auslande entstanden. Der von den Ausländern selbst zur Klärung der Verhältnisse aufgerufene englische Rat (privy council) entschied, daß dem englischen Master of Posts sowohl die englische als auch die Auslandspost unterstellt sei und daß die Amtsbezeichnung dieses Beamten in Chief Postmaster abgeändert werden solle. Zum ersten Chief Postmaster von England wurde 1581 Thomas Randolph ernannt. Eine königliche Verordnung vom Jahre 1591 enthielt die ausdrückliche Anordnung, daß die Briefpost nach und von den Ländern über See nur durch den englischen Chief Postmaster of Posts oder die fremden Postverwaltungen vermittelt werden dürfte. Jacob I. (1603-1625) schuf die »thorough post « und die »post for the packet «. Jene bestand aus besonderen Boten, die die thorough post seit 1603 die ganze Strecke durchritten. Erst unter der Regierung Karls I. (1625-1649) entstand ein regelrechter Postdienst für den inneren nichtamtlichen Verkehr. Ferner wurde angeordnet, daß zur Briefbeförderung eine größere Anzahl von Orten der Hauptstrecke, nämlich London-Edinburgh, durch Nebenposten (Bye posts) mit Lincoln, Hull und anderen Städten verbunden sein sollten. Zu Anfang überließ man den Postmeistern die Einkünfte, wogegen sie die Lasten der Verwaltung zu tragen hatten. Als die Einnahmen sich später vermehrten, ging man dazu über, das Amt des Postmeisters zu verpachten, ein Verfahren, das bei den Nebenposten fast bis zum Ende des 18. Jahrhunderts geübt wurde.
Unter Cromwell (1649-1658) und seinem Parlament wurde das Post-wesen 1657 durchgreifend geändert. Zur Zeit der Wiederherstellung des Königtums wurde die Verfassung der Postverwaltung, die ihr unter der Republik gegeben worden war, durch das Gesetz, das lange den Namen Post Office Charter geführt hat, bestätigt. 1663 wurden die Einkünfte der Post dem Herzog Jacob von York und nachträglich dem König und ihren männlichen Erben für ewige Zeiten ausgesetzt. Damals hatten die Einnahmen schon den Betrag von 21 000 Pfund Sterling erreicht. Zum gleichen Betrag war das Amt des Postmeisters auch in Pacht gegeben. In London rief eine Privatperson William Dockwra am 1. 4. 1680 eine »Penny Post e für die Beförderung von Briefen und kleinen Paketen innerhalb der Stadt ins Leben. Das mit Erfolg geführte Unternehmen wurde Ende 1682 durch Gerichtsurteil der Königlichen Postverwaltung einverleibt. So begann die »London District Post r ihre Wirksamkeit, die bis 1854 eine besondere Abteilung des General Post Office bildete. 1710 wurden die gesetzlichen Bestimmungen über das Postwesen völlig umgestaltet. Die früheren Gesetze und Verordnungen wurden aufgehoben und durch ein neues Gesetz ersetzt, das bis 1837 die Grund-lage der Posteinrichtungen bildete. Es sah die Einrichtung eines General Post Office für die drei Königreiche England, Schottland und Irland und die Kolonien vor. Der Leiter hatte die Amtsbezeichnung »Her Majestys Postmaster General a zu führen. Ihm wurde außerdem die Ermächtigung erteilt, je ein »Chief Letter Office • in London, Edinburgh, Dublin, New York und in Westindien einzurichten. In den Jahren 1720 bis 1746 erwarb sich ein vertraglich angestellter Fachmann, Ralph Allen, besondere Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung des britischen Postwesens, vor allem durch planmäßigen Aufbau des Postkursnetzes. Eine der wichtigsten Neuerungen wurde aber durch die Verwirklichung der Pläne John Palmers 1784 herbei-geführt. Er hatte dem Minister Pitt unter anderen bedeutsamen Ver-änderungen vorgeschlagen, die Briefsäcke soviel als möglich mit schnel-len Reisewagen (mail-coaches) unter starker Bewachung statt durch viel langsamere Reitboten befördern zu lassen. Pitt siegte über alle Widerstände und setzte Palmer zur Durchführung seiner Pläne als »Controller General of the Post Office r ein. Palmer nahm später einen ehrenvollen Abschied. Eine wichtigere Neuerung war 1791 die Einrichtung des Postanweisungsdienstes, der zuerst in England ausgebildet worden ist. 1834 legte der General-Postmeister, Herzog von Richmond, den Lords des Schatz-amts ein Verzeichnis der notwendigen Postreformen vor. Von diesen ist besonders die Verschmelzung der schottischen und irischen Post-verwaltung mit dem General Post Office in London hervorzuheben. Der Herzog von Richmond richtete ferner eine tägliche Postverbindung mit Frankreich ein. 1830 wurden bei der Eröffnung der Eisenbahn zwischen Liverpool und Manchester die Posten des dortigen Bezirks zum ersten Mal mit dem neuen Verkehrsmittel befördert. Durch stetige und planvolle Verbesserungen der überseeischen Postverbindungen, namentlich durch Benutzung des unmittelbaren Wegs über das Mittel-meer und die Landenge von Suez für die Indienpost, wurde der Postverkehr Englands zu hoher Blüte gebracht. 1837 erschien bei dem Buch-händler Charles Knight in London eine Flugschrift »Post Office Reform, its Importance and Practicability r. Die Vorschläge des Verfassers jener Schrift, Rowland Hill, verlangten eine Umgestaltung des britischen Postwesens, indem sie statt der teueren, nach der Entfernung und dem Inhalt der Sendungen vielfach abgestuften Gebühren, den einheitlichen Satz von 1 Penny für alle Briefe innerhalb des Vereinigten Königreichs bis zum Gewicht von 1/2 Unze forderten. Die Pläne Rowland Hills, der 1854-1864 Secretary des General Post Office war, wurden am 10. 1. 1840 zum Gesetz erhoben; die ersten Postfreimarken mit dem Kopf der Königin Victoria wurden am 6. 5. 1840 ausgegeben. In das Jahr 1848 fällt die Einrichtung der Book Post (Buchpost) mit einheitlichen Gebühren. Ein Gesetz über die Einrichtung von Postsparkassen kam 1861 zustande. 1865 entstand die Post-Renten- und Lebens-versicherungsanstalt. Am 5. 2. 1890 ging das Telegraphenwesen durch Ankauf von den damit vorher betraut gewesenen Erwerbsgesellschaften an die Post-verwaltung über und wurde mit ihr zu einer gemeinschaftlichen Ver-waltung vereinigt. Dem WPV trat England bei seiner Begründung am 1. 7. 1875 bei. Seit 1880 werden Postal Orders (Postbons) über bestimmte kleine Beträge ausgegeben. Am 1. 8. 1883 wurden im inneren Verkehr die Postpakete und am 1. 9. 1889 die telegraphischen Post-anweisungen eingeführt. Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, das mit einem großen Streik der Briefträger in London begonnen hatte, brachte noch manche Neuerungen im Postwesen. Ebenso verhielt es sich trotz der ungünstigen Zeitumstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der der Entwicklung des Luftpostverkehrs, namen-lich in den überseeischen Beziehungen, die größte Bedeutung zukam. Großbritannien hat am 31. 7. 1935 den 300. Jahrhunderttag des Bestehens eines eigentlichen Postwesens gefeiert. Am 31. 7. 1635 hatte nämlich König Karl I. dem Thomas Whiterong den Auftrag zur Errichtung eines Postdienstes in England erteilt. Aus Anlaß der 300-Jahrfeier richtete der König eine Botschaft an den Generalpostmeister, die in sämtlichen PAnst Großbritanniens angeschlagen wurde.
in: Hans Rackow: Handwörterbuch des Postwesens

Philatelistische Literatur

Festschrift zum 40-jährigen Bestehen 1978 - 2018

Great Britain & Commonwealth Philatelic Society (Switzerland)

Berlin 2018

# Philatelie / Philateliegeschichte # Großbritannien

Nicht-Philatelistische Literatur

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Francesca Conti: The Present Significance of National Identity Issues: The Case of Italian Graduates in the UK

in: Bulletin of Italian Politics. Vol.4 No. 1, 2012

Glasgow 2012

# Italien # Großbritannien

Aufsätze in Anthologien und Zeitschriften

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Mario Mentaschi : Lettere scambiate tra il regno di Sardegna e la costa atlantica dell'america con la mediazione inglese
in: Vaccari Magazine n. 50 novembre 2013 Vignola 2013

# Sardinien (Königreich) # Großbritannien # USA / Vereinigte Staaten von Amerika

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Fabio Bonacina : Quando un annullo assume più interesse a causa dell'indirizzo
in: 1992 - 1997 Il meglio de L'Annullo ANCAI Settimo Torinese 1997

# Großbritannien # Maschinenstempel

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Lorenzo Carra : I primi francobolli inglesiarrivati negli Antichi Stati Italiani che ancora non li aveno adottati
in: Posta militare e storia postale. Rivista dell' A.I.C.P.M. - 154 - giugno 2020 Rimini 2020

# Großbritannien # One Penny Black

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Fabrizio Salami : I rapporti postali tra Ducato di Modena e Regno Unito via di Francia 1818 - 1859
in: Vaccari Magazine n. 64 novembre 2020 Vignola 2020

# Frankreich # Modena (Herzogtum) # Postverträge # Großbritannien

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Rocco Cassandri Martino Laurenzi : Rear Admiral Sir Rodney Mundy and General Giuseppe Geribaldi or the British involvement in the unification of Italy
in: Posthorn Magazine of International Postal History No 03 - December 2020 Claudio Ernesto M. Manzati Mailand 2020

# Risorgimento # Giuseppe Garibaldi # Großbritannien

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Lorenzo Carra : The first British postage stamps arriving in the Old Italian States when they had not yet adoptem them
in: OPUS XX - The British Empire Académìe Européenne de Philatélie ohne Ort 2020

# Altitalien # Großbritannien

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Luciano Buzzetti : Le poste militari Inglesi in Italia durante la campagna d'Italia eed i primi anni del dopoguerra
in: La Posta Militare N° 13 Dicembre 1976 Notiziario dell' Associazione Italiana Collezionisti Posta Militare Milano 1976

# Feldpost # Großbritannien

Relevante Kataloge

Hugo Michel:  Europa Katalog

Apolda 1910

# Kataloge / Briefmarkenkataloge # Michel

Paul Orth: Handbuch aller bekannten Neudrucke staatlicher Postfreimarken und Ganzsachen nebst Angabe ihrer Kennzeichen

Originalgetreuer Nachdruck erschienen im Peter Feuser Verlag Stuttgart

Leipzig 1906

# Ganzsachen # Neudrucke / Nachdrucke / Fälschungen # Fälschungen (zum Schaden der Sammler)

PDF File available

R.B. Earée: Album Weeds: or, How to detect forged Stamps

Stanley, Gibbons, And Co.

London 1882

# Fälschungen (zum Schaden der Sammler)