Schweiz

Schweiz.
Geschichte. Wie anderwärts hat sich auch in der Schweiz das Postwesen aus den Boteneinrichtungen entwickelt. Die »botten s, auch »Stadt-Löffer t oder der »Stadt Läuferpotten t genannt, dienten in erster Linie obrigkeitlichen Zwecken und durften persönliche Briefe nur besorgen, wenn sie amtlich nicht in Anspruch genommen waren oder die Erlaubnis der Obrigkeit hatten. Die erste regel-mäßige Botenverbindung scheint zwischen St. Gallen und Nürnberg seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bestanden zu haben. Für die Boteneinrichtungen war allgemein der Name »Ordinari“ üblich. Im Anschluß an die Nürnberger Verbindung wurde 1575 von St. Gallen nach Lyon der »Lioner Ordinari“ eingerichtet. Die Briefe der Geschäftshäuser, die zu dem »Ordinari“ regelmäßig Beiträge zahlten, wurden ohne besondere Gebühr befördert; andere Kaufleute hatten 20 bis 24 Kreuzer für den Brief zu zahlen. Die Botenpost von St. Gallen nach Lyon entwickelte sich zu einer höchst wichtigen Verbindung des Deutschen Reichs mit Frank-reich und Spanien, wohin in Lyon eine Anschlußverbindung bestand. Die durch den Beitritt von Züricher und Basler Häusern verursachte erhebliche Zunahme des Briefverkehrs nötigte 1619 dazu, die Fußbotenverbindung in einen »Botenritt“ umzuwandeln. Von 1638 ab mußte die Briefgebühr nach Bogen Papier und Gewicht bezahlt werden. Für rein geschäftliche Schriftstücke, Rechnungen usw. wurde nur die halbe Gebühr berechnet. Gebührenfreiheit genossen obrigkeitliche Briefe und solche von Geistlichen. In Schaffhausen übertrug 1652 der Bürgermeister und Rat »das Post- und Ordinariwesen zu Wasser und zu Landes dem Postmeister Nikolaus Klingenfuß. Ferner richtete der Rat von Bern 1675 ein eigenes Postwesen ein, das er dem Säckelschreiber Beet. Fischer pachtweise verlieh. Zwischen den einzelnen Kantonen entstanden bald Zuständigkeitskonflikte. Um diese Zeit wurden auch die St. Galler durch Taxis genötigt, ihre alte Postverbindung nach Nürnberg ganz einzustellen und sich mit einer solchen nach Lindau zu begnügen. Dagegen gelang es dem Postmeister Klingenfuß in Schaffhausen, sich durch Verhandlungen mit dem Hause Taxis die Postverbindung Schaffhausen-Ulm zu sichern, die er als »Kaiserlicher Reichspost-meisters und Inhaber des zu Schaffhausen eingerichteten Reichs-PA unterhielt. Einige Jahre danach setzte er durch, daß ihm auch das österreichische PA zu Schaffhausen übertragen wurde, das als Mittelpunkt der Postverbindung Innsbruck—Schaffhausen—Basel von Bedeutung war. Ebenso schloß 1691 und 1694 der Postmeister Fischer in Bern mit dem Hause Taxis Verträge, wonach der Berner Post Briefe aus den Niederlanden und Deutschland zur Weiterbeförderung nach Piemont, Genf und andern Teilen der Schweiz zugeführt werden sollten. Auch im 18. Jahrhundert war die von der Familie Fischer als Pacht-unternehmen betriebene Berner Post die bedeutendste; sie umfaßte außer dem Kanton Bern die Kantone Wallis, Freiburg, Soluthurn und Luzern und unterhielt PAnst in den Kantonen Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus. Die Fischerschen Auslandsposten erstreckten sich über den Simplon nach Mailand und durch das Neuenburgische bis nach Pontarlier. In St. Gallen, Zürich und Basel bestanden damals eigene Posten für Rechnung des Handelsstandes. In Schaffhausen lag das Postwesen In den Händen der Familien Peyer und Stocker, der Schwiegersöhne des Postmeisters Klingenfuß, und der Familie des 1712 zum wirklichen Reichspostmeister und österreichischen Postmeister ernannten Joh. Jak. von Meyenburg. Alle Posteinrichtungen waren im wesentlichen auf die Städte beschränkt; in Landorten fehlten sie. Neben den eigentlichen Postverwaltungen waren in manchen Kantonen mehrere Hundert nichtamtliche, von der Postverwaltung unabhängige Boten tätig. Die politischen Bewegungen in der Schweiz während des letzten Jahrzehnts des 18. Jahrhunderts brachten vorüber-gehend Einheitlichkeit in das schweizerische Postwesen, indem es am 3. 9. 1798 zum »Staatsregal der helvetischen einen und unteilbaren Republik. erhoben wurde. Die einheitliche Postverwaltung wurde jedoch am 2. 8. 1803 wieder aufgelöst und das Postwesen als Regal und Eigentum der Kantone erklärt. Nach Auflösung der einheitlichen Post trat die Fischersche Post wieder in ihrer früheren Weise in Wirksamkeit. Der Vertrag mit dem Kanton Bern wurde 1808 erneuert und bestand bis 1832. St. Gallen ging erst 1836 zum kantonalen Selbstbetrieb über, bis dahin leitete die Post ein kaufmännisches Direktorium. In Schaffhausen hatten bis 1833 die drei bevorrechtigten Familien das Postwesen inne, sie verzichteten in diesem Jahre auf die Post zugunsten des Fürsten von Thurn und Taxis. Schließlich gab es in der Schweiz 16 selbständige Postverwaltungen. Die benachbarten Kantone hatten unter sich sowie mit einzelnen angrenzenden fremden Staaten ihre Postverträge. Dem Kantonswirrwar machte die Bundes-verfassung von 1848 ein Ende; sie schuf ein Bundespostwesen, begrüdete die Gebührenfreiheit und die Unverletzlichkeit des Postgeheimnisses und bestimmte, daß der Bund für die Abtretung des Postregals Entschädigung leisten werde. Der Bund übernahm das Postwesen vom 1. 8. 1849 ab. Durch Vertrag verzichtete 1853 der Fürst von Thurn und Taxis gegen eine Entschädigung von 150 000 Fr. auf seine Gerechtsarne im Kanton Schaffhausen. Die Bundesverfassung von 1874 bestätigte das Postwesen im gesamten Umfang der Eidgenossenschaft als Bundessache. Sie bildet auch heute noch die Grundlage für die Wirksamkeit der schweizerischen Postverwaltung.
in: Hans Rackow: Handwörterbuch des Postwesens

Philatelistische Literatur

Horst Schmollinger: Der Lindauer Bote: Eine jahrhundertelange, wechselvolle Transport- und Postgeschichte - Graubünden besonders betreffend

Forschungsgemeinschaft Tag der Briefmarke e.V. im BDPh

Moers 2014

# Postverträge # Mailand # Schweiz # Lindau (Bodensee)

Vito Salierno: Le relazioni postali dell'Italia nell'Ottocento ITALIA - SVIZZERA. Convenzioni e tarife postali

Vaccari

Vignola 2006

# Postverträge # Schweiz

PDF File available

Rainer Brack: Briefe von Baden über Bayern und die Schweiz nach Österreich. Teil 2

Postgeschichte und Altbriefkunde Heft 128

ohne Ort 1997

# Österreich # Postverträge # Schweiz # Lombardei-Venetien # Baden # Bayern

A.v. Schweiger-Lechenfeld: Die Überschienung der Alpen

Reprint 1983 transpress

Wien 1884

# Österreich # Frankreich # Schweiz # Italien # Bahnpost / Eisenbahn # Alpen

Georges Schild: Die Post der Internierten in der Schweiz 1940 - 1946

Schweizerischer Ganzsachen-Sammler-Verein

Bern ohne Jahr

# Zweiter Weltkrieg # Feldpost # Schweiz # Schweizerischer Ganzsachen-Sammler-Verein

Aufsätze in Anthologien und Zeitschriften

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Georges Schild : Internierung italienischer und österreichischer Soldaten in der Schweiz im Jahre 1859 - ein geschichtliches Ereignis ohne postalischen Beleg?
in: Postgeschichte. Fach-Zeitschrift für Brief- und Stempelsammler Nummer 12, Dezember 1982 Zürich 1982

# Risorgimento # Schweiz

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Giovanni Boschetti : Lettere di "Raggio limitroffo" tra Italia e Svizzera tramite gli ambulanti laculi del Lago di Como
in: Vaccari Magazine n. 57 maggio 2017 Vignola 2017

# Schiffspost # Schweiz # Como / Lago di Como # Grenztarife

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Jürgen Glietsch : Der besondere Beleg Eine Warenprobe mit einem Stroh-Muster aus Italien in die Schweiz im Jahr 1862
in: Italien Rundschau Heft 78 November 2015 Arbeitsgemeinschaft Italien im BDPh e.V. Bietigheim-Bissingen 2015

# Schweiz # Warenprobe / Muster ohne Wert

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Jürgen Glietsch : Italien 1861 - 1875: Briefpost nach Deutschland Teil 5: Die Transitrouten durch die Schweiz
in: Italien Rundschau Heft 77 Mai 2015 Arbeitsgemeinschaft Italien im BDPh e.V. Bietigheim-Bissingen 2015

# Schweiz # Deutschland

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Jürgen Glietsch : Italien 1861 - 1875: Briefpost nach Deutschland Teil 4: Die Behandlung von unzureichend frankierten Briefen
in: Italien Rundschau Heft 74 April 2014 Arbeitsgemeinschaft Italien im BDPh e.V. Münster 2014

# Österreich # Frankreich # Schweiz # Deutschland

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Jürgen Glietsch : Italien 1861 - 1875: Briefpost nach Deutschland Teil 1: Briefe im Transit durch Frankreich / Briefe im Transit durch die Schweiz
in: Italien Rundschau Heft 70 September 2012 Arbeitsgemeinschaft Italien im BDPh e.V. Merseburg 2012

# Frankreich # Schweiz # Deutschland

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Jürgen Glietsch : Der interessante Beleg "Via di Svizzera" - Postumleitung über die Schweiz 1860
in: Italien Rundschau Heft 51 2006 Arbeitsgemeinschaft Italien im BDPh e.V. Merseburg 2006

# Postverträge # Schweiz

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Lorenzo Carra : "Via di Svizzera" - Kriegsbedingte Postumleitung zwischen Österreich und Italien über die Schweiz im Jahre 1866
in: Italien Rundschau Heft 50 Dezember 2005 Arbeitsgemeinschaft Italien im BDPh e.V. Merseburg 2005

# Österreich # Risorgimento # Schweiz

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Armando Furrer : Fiume: Ein Legionär schreibt in die Schweiz
in: Italien Rundschau Heft 23 1994 Arbeitsgemeinschaft Italien im BDPh e.V. Andrian 1994

# Schweiz # Fiume / Rijeka

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Giovanni Boschetti : Tariffe "Raggio Limitrofo" tra il ducato di Savoia e la Svizzera
in: Vaccari Magazine n. 53 maggio 2015 Vignola 2015

# Schweiz # Grenztarife

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Fabio Sottoriva : Un interessante tentivo di affrancatura mista Italo-Svizzera del 1872
in: Vaccari Magazine n. 49 maggio 2014 Vignola 2013

# Schweiz

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Hans Häfeli : I 175 anni die francobolli cantonali di Zurigo da 4 e 6 Rappen
in: Cursores. Revista di Storia Postale. n. 22. Associazione Italiana di Storia Postale Milano 2018

# Schweiz

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Massimo Moritsch Mario Cedolini : Un diverso trattamento delle corrispondenze inoltrate per la "Via di Svizzera" durante e dopo la seconda guerra di indipendenza
in: Vaccari Magazine n. 46 ottobre 2011 Vignola 2011

# Risorgimento # Schweiz

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Alberto Panzera : Le Agenzie Postale Svizzere in Italia
in: Vaccari Magazine n. 21 maggio 1999 Vignola 1999

# Schweiz # Schweizer Postagenturen in Italien

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Giovanni Boschetti : Una unusale (ma regolare) tariffa di "Raggio Limitrofo" di 15 centesimi tra Serdegna e Svizzera
in: Vaccari Magazine n. 33 maggio 2005 Vignola 2005

# Schweiz # Sardinien (Königreich) # Grenztarife

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Carlo Doria : Storia ingarbugliata di un Intero Postale svizzero
in: nt notiziario tematico 209 giugno 2019 CiFT L'Aquila 2019

# Ganzsachen # Schweiz

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Luca Savini : La "Sospensione" delle comunicazione con l'Austria per la via di Svizzera tra Giugno e Luglio 1859
in: Vaccari Magazine n. 62 novembre 2019 Vignola 2019

# Österreich # Risorgimento # Schweiz # Lombardei-Venetien

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Lorenzo Carra : I rapporti postali del Regno Lombardo Veneto con il Regno di Sardegna, poi d'Italia 1815 - 1866.
in: Vaccari Magazine n. 63 maggio 2020 Vignola 2020

# Schweiz # Sardinien (Königreich) # Lombardei-Venetien

Relevante Kataloge

Stanley Gibbons: Italy & Switzerland

Sixth Edition

London 2003

# Kataloge / Briefmarkenkataloge # Stanley Gibbons

Hugo Michel:  Europa Katalog

Apolda 1910

# Kataloge / Briefmarkenkataloge # Michel

Paul Orth: Handbuch aller bekannten Neudrucke staatlicher Postfreimarken und Ganzsachen nebst Angabe ihrer Kennzeichen

Originalgetreuer Nachdruck erschienen im Peter Feuser Verlag Stuttgart

Leipzig 1906

# Ganzsachen # Neudrucke / Nachdrucke / Fälschungen # Fälschungen (zum Schaden der Sammler)

PDF File available

R.B. Earée: Album Weeds: or, How to detect forged Stamps

Stanley, Gibbons, And Co.

London 1882

# Fälschungen (zum Schaden der Sammler)